
Meret Oppenheim
Meret Oppenheim wird am 6. Oktober 1913 in Berlin-Charlottenburg als Tochter einer Schweizer Mutter und eines Deutschen Arztes geboren. Sie verbringt ihre frühe Kindheit und Schulzeit in Steinen (Süddeutschland) und Delémont in der Schweiz, sowie Ferientage in Carona, Tessin.
1930 überzeugt sie ihren Vater mit Das Schulheft, X = Hase von ihrer Abneigung gegen die traditionelle Schule und 1931 verlässt sie das Gymnasium «um Künstlerin zu werden». 1932, im Alter von 18 Jahren, reist sie mit der befreundeten Künstlerin Irène Zurkinden nach Paris, wo sie im Hotel Odessa wohnt und zeichnet. Ausserdem besucht sie zeitweilig die Académie de la grande Chaumière.
1933 kommt sie in Kontakt zu der Surrealistengruppe um André Breton: Alberto Giacometti und Jean Arp besuchen sie in ihrem Atelier und laden sie ein, an der Gruppenausstellung im Salon des Surindépendants teilzunehmen. 1933/1934 steht sie des öfteren Modell für Man Ray, u.a. auch für die berühmte Serie von Akt-Fotografien neben einer Druckerpresse.
1933 lernt sie Max Ernst kennen, mit dem sie eine intensive Liebesbeziehung eingeht, die sie ca. 18 Monate danach auflöst.
1935/1936: um Geld zu verdienen widmet sich Meret Oppenheim Schmuck-, Möbel- und Mode-Entwürfen. Ein mit Pelz überzogenes Armband gibt den Anstoss zu ihrem bekanntesten Werk Objekt, welchem André Breton den Titel Frühstück im Pelz gibt. Nachdem «die Pelztasse» (wie sie oft benannt wird) 1936 in Paris in der Galerie Charles Ratton zum ersten Mal ausgestellt ist, kommt sie im Dezember 1936 nach New York in die Ausstellung «Fantastic Art Dates Surrealism» und wird vom damaligen Director des MoMA, Alfred Barr, Jr., für das Museum erworben.
1937 markiert den Beginn einer langen Lebens- und Schaffenskrise, die bis 1954 andauert. Meret Oppenheim kehrt nach Basel zurück, wo ihre Eltern Zuflucht gefunden haben. Sie besucht für zwei Jahre die Allgemeine Kunstgewerbeschule; die Farbübungen und Restaurationsstunden sind ihr «enorm nützlich».


1939 hält sie sich nochmals in Paris auf und beteiligt sich mit Objekten und einem Tisch mit Vogelfüssen an einer Ausstellung phantastischer Möbel mit Max Ernst, Leonor Fini und anderen. Die Kriegsjahre verbringt sie in Basel. Sie arbeitet, vernichtet viel, produziert aber einige ihrer überzeugensten Werke.
1945 lernt sie den Kaufmann Wolfgang La Roche kennen, den sie 1949 heiratet. Die beiden leben in Bern, Thun und Oberhofen, je nachdem wo Wolfgang arbeitet. 1950 kehrt sie zum ersten Mal nach Paris zurück und trifft alte Wegkameraden. 1954 bezieht sie ein Atelier in Bern und ihre Krise ist endlich beendet. Es entstehen zahlreiche neue Arbeiten.
1956 entwirft sie Kostüme und Masken für Daniel Spoerris Inszenierung von Picassos Wie man Wünsche am Schwanz packt übersetzt den Text ins Deutsche. Das Stück wird im Theater der Unteren Stadt in Bern aufgeführt.
1959 organisiert Meret Oppenheim in Bern ein Frühlingsfest, ein Nachtessen auf einer nackten Frau. Am Mahl nehmen drei Paare, zu denen auch die Frau auf dem Tisch gehört, teil. André Breton bittet sie, dieses «Festin» in Paris anlässlich der einige Monate später stattfinden Ausstellung «Exposition InteRnatiOnale du Surréalisme» in der Galerie Cordier zu wiederholen.
Nach vielen Einzel- und Gruppenausstellungen in den darauffolgenden Jahren (in der Schweiz, Italien, USA, Deutschland, Frankreich) kommt 1967 ein neuer Meilenstein: ihre erste grosse Retrospektive, im Stockholmer Moderna Museet. Im Dezember desselben Jahres stirbt Wolfgang La Roche. Meret Oppenheim zieht in Bern in eine Wohnung mit Atelier und 1972 mietet sie zusätzlich eines in Paris.
1974-1975: Retrospektive als Wanderausstellung in Museen Solothurn, Winterthur und Duisburg.
1975 erhält sie den Kunstpreis der Stadt Basel. Sie hält eine viel beachtete Rede, in welcher sie Stellung nimmt zum Problem des «weiblichen Künstlers». Ein wichtiges Zitat aus dieser Rede: «Die Freiheit wird einem nicht gegeben, man muss sie nehmen».
1981 erscheint «Sansibar», eine Publikation mit Gedichten und Serigrafien.


1982: Meret Oppenheim erhält den Grossen Preis der Stadt Berlin. Sie wird eingeladen an der documenta 7 in Kassel teilzunehmen. Die Monographie Spuren durchstandener Freiheit von Bice Curiger erscheint. Ausstellungen in Korea, Oesterreich, Italien, Deutschland, Schweiz.
1983 realisiert sie eine grosse Brunnenskulptur für den Waisenhausplatz in Bern. Das Goethe-Institut Genua veranstaltet eine Wanderausstellung, die auch in Mailand und Neapel Station hält.
1984: Retrospektive in der Kunsthalle und im ARC, Musée d’art moderne de la ville de Paris, mit weiteren Stationen in Frankfurt, Berlin und München. Der Suhrkamp Verlag veröffentlicht die Gedichte von Meret Oppenheim.
1985: Arbeit an einer Brunnenskulptur für die Jardins de l’ancienne école Polytechnique in Paris – La Spirale, der Gang der Natur.
Am 15. November stirbt Meret Oppenheim an einem Herzinfarkt, am Tag der Vernissage ihres Buches «Caroline» (Gedichte und Radierungen).